Presseschau des Tages // 17.12.2019

· Pressestimmen

In Deutschland droht Kindern aus Elternhäusern mit geringerem Bildungsgrad häufiger Armut als in anderen europäischen Ländern. Das berichtet das Deutsche Kinderhilfswerk und beruft sich dabei auf Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) für 2018. Demnach liegt die sogenannte Armutsgefährdungsquote für diese Kinder mit 60,9 Prozent höher als im EU-weiten Durchschnitt (51,3 Prozent). Unter dem EU-Durchschnitt liegt die Armutsgefährdungsquote bei Kindern von Eltern mit mittlerem und höherem Bildungsabschluss: Laut Eurostat sind in Deutschland 20,2 Prozent der Kinder aus Elternhäusern mit mittlerem Bildungsgrad von Armut bedroht. Der EU-Durchschnitt liegt hier bei 23,6 Prozent. Auch bei höherem Bildungsabschluss der Eltern liegt Deutschland mit 6,1 Prozent unter dem EU-Schnitt von 8,3 Prozent. Das Deutsche Kinderhilfswerk forderte daher am Montag in Berlin, Kinder von Eltern mit niedrigerer Bildung gezielter vor Armut zu schützen: "Das fängt an bei armutsfesten Löhnen und einer deutlichen Entlastung von Geringverdienenden bei Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen und geht über mehr bezahlbaren Wohnraum auch für Familien mit geringem Einkommen bis hin zu einer chancengerechteren Gestaltung des Bildungssystems", sagte der Präsident der Hilfsorganisation, Thomas Krüger. "Die Förderung armer Kinder und ihrer Familien sowie unbürokratische Zugänge zu armutsvermeidenden Leistungen gehören deshalb auf der Prioritätenliste ganz nach oben", forderte Krüger weiter. Unter anderem sollte die Bundesregierung den Vorschlag der Familienministerkonferenz zur Einrichtung von Familienservicezentren aufgreifen, "in denen Familien qualifiziert beraten werden und möglichst auch Leistungen beantragen können". Langfristig tritt das Hilfswerk darüber hinaus für die Einführung einer "bedarfsgerechten Kindergrundsicherung in Höhe von 628 Euro" ein. Diese solle den bestehenden Familienlastenausgleich ablösen, bestehende "kindbezogene Leistungen" bündeln und das "soziokulturelle Existenzminimum von Kindern unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Familie, der Familienform und dem bisherigen Unterstützungssystem bedarfsgerecht" gewährleisten. Auch der Familienbund der Katholiken hatte sich unlängst für eine bessere Unterstützung von Kindern ausgesprochen. Eine hohe Förderung im niedrigen Einkommensbereich, die mit steigendem Einkommen der Eltern abgeschmolzen werde, sei der richtige Ansatz", so Familienbund-Präsident Ulrich Hoffmann. Der Familienbund hat ein eigenes reformiertes Kindergeldmodell entwickelt, in dem der Kinderzuschlag, den Familien mit geringem Einkommen beantragen können, im Kindergeld enthalten ist. (Familienbund der Katholiken/Sascha Nicolai/KNA)